Meine Bücher in Japan


Dass Übersetzungen meiner Romane derzeit in meinem Herzensland Japan veröffentlicht werden, freut mich natürlich ganz besonders. Deutsche Literatur ins Japanische zu übertragen, ist eine kniffelige Sache. Die Doppeldeutigkeit von Redewendungen; Unterschiede in der Bedeutungstiefe einzelner Wörter und in den Assoziationen, die ein Wort, eine Metapher oder eine Szene in Japan oder in Deutschland auslöst; Wörter der einen Sprache, für die es in der anderen kein Äquivalent gibt (oder gleich fünf) - damit fängt die Herausforderung gerade erst an. Bei zwei so unterschiedlichen Sprachen muss man beim Übersetzen eigentlich jeden einzelnen Satz neu erfinden.
Deshalb möchte ich hier mit Dank und großem Respekt gerne die Menschen vorstellen, die meine Bücher in diese schöne Sprache übertragen. Vielen Dank auch an meinen Verlag in Japan, Nishimura Co., Ltd., der dies ermöglicht.


Miho Matsunaga übersetzte »Namiko und das Flüstern«.
Sie ist Germanistik-Professorin an der Waseda-Universität in Tokyo. Unter anderem hat sie Büchern von Hermann Hesse, Siegfried Lenz, Rafik Schami und Rainer Maria Rilke eine japanische Stimme gegeben. Gerade kommt Ingeborg Bachmann hinzu. Aus Miho Matsunagas Feder stammt auch die preisgekrönte Übersetzung von Bernhard Schlinks Roman »Der Vorleser«.
Shinichi Sakayori übersetzte »Zwitschernde Fische« und »Zeit der Zikaden«. Er ist Germanistik-Professor an der Tokyoer Wako-Universität. Zu den von ihm ins Japanische übertragenen Autoren zählen Bertolt Brecht, Frank Wedekind, Rafik Schami, Nele Neuhaus, Andreas Gruber und Ralf Isau. Seine Übersetzung von Ferdinand von Schirachs Roman »Verbrechen« bekam in Japan den »Großen Preis der Buchhändler«.

Auf der Frankfurter Buchmesse mit der Rechtemanagerin und Lektorin Azumi Nishimura und dem Verleger Masanori Nishimura. Der Verlag hat gerade mit großem Erfolg die japanische Ausgabe von »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« herausgegeben. Als erster meiner Romane ist in Japan 2016 »Zwitschernde Fische« erschienen, in Kürze kommt »Namiko und das Flüstern« in den Handel.
Fotos mit freundlicher Genehmigung der Übersetzer.




Der Handlungsreisende

Auf ein schönes Beispiel für die Übersetzungsarbeit hat mich Shinichi Sakayori aufmerksam gemacht: Im Roman »Zwitschernde Fische« überlegt der Hauptdarsteller, ob die Bücher in einem geheimnisvollen Buchladen deshalb so dicht an dicht stehen, damit die Gestalten darin von Buch zu Buch huschen und sich austauschen können.
Unter anderem der »Handlungsreisende« aus »Tod eines Handlungsreisenden«.
Im Deutschen ist das Wort ungewöhnlich genug, um es zweifelsfrei mit Arthur Millers Drama zu assoziieren.
Im Japanischen wird der Handlungsreisende aber mit dem englischen Lehnwort bezeichnet: salesman. Der Begriff ist so allgemein, dass die Verbindung zu Millers Werk sofort fehlt. Schlimmer noch: In Japan gibt es ein ganz anderes Buch, das man dort mit »salesman« viel eher in Verbindung bringen würde.
Eine Eins-zu-eins-Übersetzung funktioniert also nicht. Man wird den salesman in der japanischen Ausgabe um einen Wiedererkennungswert erweitern müssen, zum Beispiel einen selbstmordgefährdeten Salesman daraus machen.